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Bezirzende Sirenen

Posted on: 11. September 2015 by Markus Läbe |

Sigurd Rakels Ausflug in die griechische Mythologie mit bemalten Frauenkörpern

 

Kettershausen-Zaiertshofen |clb|

Nebel steigt vom Fußboden in den abgedunkelten Raum. Ganz leicht, dann zunehmend stärker bewegt sich der Stoff des schwarzen Türvorhangs, bis er schließlich aufwallt und einreißt. Zunächst erkennt man nur graziöse Hände, dann schälen sich grazile, bemalte Frauenkörper heraus, die sich im Raum orientieren und sich zu den betörenden Klängen der Arie „O mio Babbino caro“ tanzend bewegen. Spielerisch gelingt es den drei „Sirenen“, die Besucher zu bezirzen.

Eindrucksvoller als mit diesem Einblick in die griechische Mythologie hätte die derzeit in der Galerie Kunstunkunst präsentierte Ausstellung von Sigurd Rakel nicht eröffnet werden können. Der berühmte Galerist und Künstler, der vor Kurzem seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, stellt sein mittlerweile 50-jähriges Schaffen in drei Ausstellungen vor: im Schulmuseum in Ichenhausen, in der eigenen Galerie in Krumbach sowie in der Galerie in Zaiertshofen. In der von Joachim Herzer umgebauten ehemaligen Molkerei, die Rakel selbst als „Insel“ und „beachtliche Galerie der Avantgarde auf dem Land“ bezeichnet, werden unter dem Leitgedanken „Sirenen“ Akte ausgestellt.

„Es sind keine Akte im herkömmlichen Sinn, sondern Zeichen der Zeit“, stellte Rakel bei der Vernissage heraus. Diese entwickelte sich mit dem faszinierenden Auftritt der Sirenen zum Ausflug in die griechische Mythologie. „Sirenen sind allgegenwärtig. Jeder Mann ist ein Odysseus, der von ihrem Liebreiz und Charme bezirzt werden möchte“, betonte Rakel. Die Ausstellung der „Sirenen“ aus der „Ilias“ von Homer ist für ihn eine „Hommage an die Frau, die den Mann täglich bezirzen sollte.“ Denn die Arbeiten sind nicht visuell, sondern haben ein bezeichnendes Thema. Sowohl „die Nachdenkliche“, „die Frivole“, „die Musische“ oder „die Sinnliche“ zeugen von Rakels Vielfalt. Manche Akte präsentieren sich als Zeichnungen, andere in Farbkombinationen. In Rakels Werke muss man sich hineinversetzen. Dann erschließen sich ihre Geheimnisse.

 

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